
`Namo tassa bhagavato arahato sammàsambuddhassa'
Etaṃ santaṃ, etaṃ paṇītaṃ, yadidaṃ sabbasaṅkhārasamatho sabbūpadhipaṭinissaggo taṇhakkhayo virāgo nirodho nibbānaṃ.[1]
ʺDies ist friedlich, dies ausgezeichnet, nämlich die Stillung aller Vorbereitungen, die Aufgabe aller Grundlagen, die Zerstörung des Verlangens, Absonderung, Auflösung, das Verlöschenʺ.
Mit der Erlaubnis des höchst ehrwürdigen Abtes und der Versammlung der ehrwürdigen meditativen Mönche:
Heute beginnen wir mit dem dritten Vortrag über Nibbāna.
Beim letzten Mal haben wir den Versuch unternommen die Ausdrücke saüsāra auf der einen Seite und Nibbāna auf der anderen anhand des Gleichnisses vom Wasserstrudel zu erklären, mit anderen Worten das `herum gehenʹ, oder saüsaraõa, und das `hinaus gehenʹ, oder nissaraõa.ii[2] Ferner führten wir suttas an, um sowohl den Entstehens- (samudaya) als auch den Vergehens- (nirodha) aspekt des Gesetztes der Bedingten Entstehung zu verdeutlichen.
Mit Hinblick auf den „Wasserstrudel“ können wir eine ähnliche Entwicklung auch für die anderen Glieder des Gesetzes der Begingten Entstehung in eben diesem Gleichnis darstellen: So können wir sagen, daß die Verblendung gerade darin besteht zu glauben, daß es möglich sei, gegen den Hauptstrom der drei Merkmale von Vergänglichkeit, Leidhaftigkeit und Nicht-Selbst anzugehen - dies ist auch der Ausgangspunkt der Kette. Jene Menge von Vorbereitungen die von der Unwissenheit hervorgebracht wurden und den Strom vorantreiben, können als saïkhāras bezeichnet werden. Und da, wo diese Strömung in ihrem Verlauf mit dem Hauptstrom kollidiert um zum Wirbel zu werden, dieses Vorantreiben gegen den Hauptstrom ist viññāõa oder Bewußtsein.
Das Resultat aus diesem Zusammenstoß ist nāma-rūpa, oder Name – und – Form, mit seinem formhaften Namen und seiner nominalen Form. Das Glied in der Formel bedingter Entstehung, das als saëāyatana oder “Sechssinnes-Gebiete” bezeichnet wird, kann man als Auswuchs von Name-und-Form betrachten. Wir können dieses Glied auch in Relation zum Gleichnis vom Strudel verstehen. Wenn der Wirbel eine lange Zeit hindurch andauert, dann bildet sich ein Schlund, dessen Wirkensweise mit den sechs Sinnesgebieten verglichen werden könnte.
In der Tat sind körperliche Schmerzen mit einem Abgrund vergleichbar. In einer gewissen sutta im Saüyutta Nikāya sagt der Buddha:
Sārīrikānaü kho etaü bhikkhave dukkhānaü vedanānaü adhivacanaü, yadidaü pātālo’ti.iii[3] ʺMönche, Abgrund ist ein Synonym für schmerzliche körperliche Gefühle.ʺ
Wenn man sich diese Aussage genau überlegt, so scheint es, als wenn der Durst des Verlangens in den Wesen verschiedener Existenz aufgrund von schmerzhaften Gefühlen aufsteigt. Das Sallattenasutta führt diesen Gedanken weiter aus, indem es anführt, daß der unbelehrte Weltling, der von schmerzhaften Gefühlen berührt wird, sich an sinnlichen Genüßen erfreut, weil er keine andere Ausflucht aus schmerzlichen Gefühlen kennt, außer eben den Sinnesfreuden.iv[4]
Im Lichte dieser Aussage, so scheint es, ist der Abgrund dieses endlose Bombardement schmerzvoller Gefühle. Die Anziehungskraft, die vom Abgrund ausgeht, entspricht dem Durst, diese schmerzvollen Gefühle aufzulösen.
Das Ergreifen, daß daraus entspringt ist das Wirken derselben Anziehungskraft. Es zieht all das Treib- und Strandgut um sich herum an, als organisch Vereinnahmtes und täuscht eine Existenz (bhava) vor. Mit anderen Worten: einen Ort, den hingewiesen werden kann und zwar auf grund all der Dinge, die vom Wirbel erfaßt worden sind. So gibt uns dieses Gleichnis vom Wasserstrudel oder Wirbel eine Vorstellung von der Idee der Bedingten Entstehung.
Die Einsicht in das zugrundeliegende Prinzip der Bedingten Entstehung wird in der Tat als das Erscheinen des „Dhamma - Auges“ bezeichnet. Über einen Stromeingetretenen heißt es, daß in ihm das staubfreie fleckenlose Auge des Dhamma aufgegangen ist. Die folgende Phrase, die die Bedeutung dieses Dhamma - Auges zusammenfaßt, taucht in den Lehrreden Buddhas sehr häufig auf:
Yaü kiñci samudayadhammaü sabbaü taü nirodhadhammaü.v[5] ʺWas immer auch entstanden ist, muß alles wieder untergehn.ʺ
Manchmal wird darauf nur kurz mit den Worten samudaya und nirodha angespielt, wie z.B samudayo samudayo und and nirodho nirodho.vi[6] Es scheint so, als hätte sich die Erfahrung dieser Einsicht als Ausruf ausgedrückt: „Entstehen, Entstehen! Vergehen, Vergehen!“ Die vorhin erwähnte Formel faßt diese beiden Aspekte dieser Erfahrung zusammen.
Es scheint also, daß das, was als „Dhamma-Auge“ bezeichnet wird, die Fähigkeit ist, diese Nibbānische Lösung in eben diesem wirbelnden sam-sārischen Problem zu sehen. Jene Art der Analyse aber, die samsāra und Nib-bāna in zwei diametral entgegengesetzte wasserdichte Teile (Anm. d. Übers: Dinge für sich) zerlegt, läßt eine Unzahl von Widersprüchen auftauchen. Hier jedoch sehen wir, daß man Nibbāna verwirklichen kann, indem man den Ursprung für das Leiden und den Pfad entdeckt der zu seiner Beendigung führt – was in der Tat ein Verständnis der vier edlen Wahrheiten bedeutet – und daß man diesen Wirbel beenden kann, indem man seine Ursache kennt und die entsprechenden Maßnahmen einleitet, die zu seinem Verebben führen.
Im letzten Vortrag zitierten wir auch einige Kanonische Verse, die darstellten, daß es für den arahant keinen Wirbel mehr gibt. vii[7] Nun, was den Zustand nach der Beendigung des Wirbels anbelangt, falls jemand fragen sollte, wo denn der Strudel hinverschwunden ist, welche Anwort können wir da geben? Es ist die selbe Schwierigkeit, die auftaucht, wenn so eine Frage auftaucht wie: „Wo geht das Feuer hin, wenn es ausgegangen ist?“ Denn auch hier ist das, was wir einen Wasserwirbel nennen die Strömung die gegen den Haupstrom fließt. Auch sie besteht nur aus Wasser, wie der Rest um sie herum. Also können wir nicht sagen, daß sie sich vereinigten, noch können wir sagen, daß sie irgendwohin verschwunden und sich versteckt hat.
Hier befinden wir uns in einer seltsamen Situation. Alles was wir im Angesicht der Wahrheit sagen können ist, daß da eine Art von Aktivität war, ein gewisser Zustand von Unruhe, ausgelöst durch gewisse Ursachen und Bedingungen. Solange diese Aktivität dort anhielt, war es möglich sie zu beschreiben und ihr einen Namen zu geben. Nach weltlicher Konvention konnte man von ihr sprechen indem man mit „jener“ oder „dieser“ darauf verwies.
Der gesamte Wirkensbereich der Aktivität wurde als „Wasserstrudel“ nach weltlicher Konvention benannt. Aber jetzt, ist der so-genannte Wirbestrudel nicht mehr. Die weltliche Beschreibung kann man nicht mehr anwenden – genau wie beim verlöschten Feuer. Das Wort „Feuer“ war eingeführt worden, das Konzept von „Feuer“ wurde erschaffen, um eine gewisse Sachlage, die von Ursachen und Bedingungen, die von Ergreifen ausgelöst worden war, zu beschreiben. Auch dadurch können wir sehen, daß sich Verblendung in Konzepten tarnt.
In Unkenntnis dieses Sachverhalts häuft die Welt weiterhin Konzepte an und will sie sogar in Nibbāna sehen. Es gibt einige, die inständig hoffen, daß sie eine Vision ihrer Vorstellungslisten erfahren, wenn sie Nibbāna verwirklichen. Aber die Weisheit durchdringt auch Konzepte und Vorstellungen und deshalb wird sie udayatthagāminī paññā ariyā nibbedhi-kā,viii[8] genannt, „die ariyan durchdringende Weisheit, die das Entstehen und Vergehen sieht“.
Die Idee der Durchdringung ist schon in der Formel: yaü kiñci samudayadhammaü sabbaü taü nirodhadhammaü, (ʺwas immer auch entstanden ist, muß alles wieder untergehnʺ) impliziert. Wenn irgendetwas von Natur aus entsteht, so ist es eben seine Natur, dass es wieder vergeht. Und deshalb hat der Wanderaskt Upatissa, der später der Ehrwürdige Sāriputta werden sollte, die Frucht des Stromeintritts gewonnen, obwohl er nur die ersten zwei Zeilen des Gedichts gehört hatte, daß der Ehrwürdige Assaji ihm verkündete:
Ye dhammā hetuppabhavā, tesaü hetuü tathāgato āha.ix[9] "Die Dinge die durch Ursachen entstehn, deren Ursache hat der Tathāgata erklärt."
(wird fortgesetzt ☺)