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zum Memorieren von pali texten

 

"Zu jener Zeit nun war die Laien-Anhängerin Nandamata in aller Frühe, als es noch dunkel war, aufgestanden und trug mit lauter Stimme das Parayana [Sutta Nipata v.976-1149] vor"

                                                                                           AN, VII, 50.

"'So sei es, Herr!', antwortete der ehrwürdige Sona dem Erhabenen und trug alle sechzehn Kapitel des Atthaka [Sutta Nipata v.766-975] vor."

                                                                                            Udana V, 6.

 Bereits zu Buddha Gotamas Lebzeiten wurden die Reden und Aussprüche des Meisters und heiliger Jünger von der Jüngergemeinde (Mönchen wie Laien, Männern wie Frauen) gesammelt und im Gedächtnis aufbewahrt. Man vertraute der Schrift und dem Papier keine erleuchteten Gedanken an, obwohl belegt werden konnte, daß auch zu Buddhas Zeiten bereits geschrieben wurde. Hierin folgte die junge buddhistische Gemeinde der vedischen Tradition:

Eine ausgefeilte, über Jahrhunderte gereifte Kunst der Mnemonik, versetzte viele (selbst ungebildete) Menschen in die Lage, lange Gedichte oder gar Prosatexte, nicht nur Wort für Wort, sondern sogar mit derselben Betonung wiederaufzusagen. Oft reichte ein einmaliges Hören einer Rede oder eines Vortrages aus: die Hörer konnten in Folge anderen Menschen in identischer Wortfolge und Tonlage die einst vernommene Rede wiedergeben.

Diese Fähigkeit verblaßte mit der Zeit. Vielleicht förderte die Zunahme des schriftlichen Gebrauchs die Mangelhaftigkeit des Gedächtnisses. Doch bis auf den heutigen Tag lebt die Tradition in einigen buddhistischen Ländern fort, die Reden des Erwachten zu memorieren.

Nicht ohne Grund wird in den Lehrreden immer wieder die Eigenschaft des "bahussuto" gelobt; jemand, der viel gehört hat und das Gehörte selbstverständlich behalten. 

Wer schon einmal den Versuch unternommen haben sollte, ein paar Verse des Dhammapada oder des Sutta Nipata auswendig zu lernen, wird wissen, daß die ständige Präsenz und das vertiefende Beschäftigen mit dem Lerngegenstand beim Memorieren das eigene Verständnis der Lehre Buddhas in bedeutendem Maße vertieft. Aber auch sonst wird man die Unabhängigkeit von Büchern zu schätzen wissen, und die Gewißheit, in stillen Stunden über die Worte des Meisters kontemplieren zu können.


Obwohl Verse sich leichter einprägen lassen und auch die Pali Prosa ungemein rhythmisch und nach mnemonischen Prinzipien gestaltet scheint, wird der moderne "Lerner", bei seinem Versuch ein "Lehrträger" zu werden, auf einige Hindernisse stoßen: 

Denn die große Kunst der Mnemonik, als des Auswendiglernens und Memorierens, ist kaum noch bekannt.

Dazu möchte ich hier auf einige Tips und Tricks hinweisen, die behilflich sein werden. Insbesondere empfehle ich das Buch von Tony Buzan: "Use your memory", das auch in Deutsch erschienen ist ("Nichts Vergessen!", Goldmann Sachbuch).

Tony Buzan, Erfinder der "mind maps" erklärt die wichtigsten Kniffe zum assoziativen Auswendiglernen und wird sie in ihrem Vorhaben bestärken: Denn wie unvorstellbar die Tatsache auch klingen mag, daß manche burmesischen Mönche auch heute noch den ganzen Pali Kanon auswendig beherrschen, so selbstverständlich wird ihnen diese Fähigkeit nach der Lektüre eines guten Mnemonik Buches erscheinen. 

Hier noch einige Tips von meiner Seite:

zehn Minuten später das erste Mal

einen Tag danach das zweite Mal

eine Woche danach das dritte Mal

und ein Jahr danach das vierte Mal

Nähere Infos finden sich in dem schönen (englischen) Artikel von Michael Tipper:

'How to memorize long pieces of text'

Auf dieser Website sind zwei komplette Systeme vorgestellt, die sich ausschließlich mit dem Auswendiglernen von längeren Texten befassen: (Englisch)

  How to memorize the Tipitaka

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