Manorathapurani i. 2. 16

 

 

6.     Des Gehorsams außergewöhnlicher Segen

 

Einst lebte am Cittalaberg der Mönchsältere Tissa. Dem schwand, im achten Jahre seiner Ordination, mit einem Male die Lust am Asketenleben. Und weil er selbst nicht in der Lage war dieser Unlust Herr zu werden, fing er an sich abzulenken.

Er begann seine Robe zu waschen, zu färben, seine Schale zu brennen und sich den Kopf zu scheren. Danach begab er sich zu seinem Lehrer, verehrte diesen und blieb seitwärts stehen. Sein Lehrer sprach zu ihm: „Wie denn, großer Bruder Tissa, deine Art und Weise gleicht der eines Unzufriedenen!“ – „Ja, Ehrwürdiger, Unlust am Mönchsleben ist in mir aufgestiegen und ich war unfähig seiner Herr zu werden.“

Darauf betrachtete der Mönchsältere Tissa eingehend und erkannte, dass dieser im Kern bereit für die Heiligkeit war. Und von Mitgefühl bewogen sprach er also: „Bruder Tissa, ich bin schon alt, bau mir doch bitte eine Verweilstätte.“ Und Tissa, der noch nie zuvor jemals Widerrede hat von sich hören lassen, stimmte mit den Worten „Wohl, Ehrwürdiger“ zu. Dann unterwies ihn sein Lehrer unterwies wie folgt: „Bruder Tissa, wenn du also einen Neubau in Angriff nimmst, so brauchst du nun den Belehrungsplatz nicht mehr zu fegen. Erwäge jedoch gründlich bei deiner Arbeit dein geistiges Übungsobjekt und pflege von Zeit zu Zeit die Grundübung der Elementmeditation (Kasinabhavana).“ – „So werde ich es tun, Ehrwürdiger“, antwortete Tissa, verehrte den Mönchsälteren gehorsam und machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Platze.

Bald stieß er auf eine Höhle, die an einem Berghange gelegen war. Er füllte sie mit Holz, entzündete ein Feuer, säuberte sie, verlegte Steinfliesen, befestigte Tor und Fenster und fertigte Bett und Schemel an. Als all dies getan war ging er zu seinem Lehrer zurück, verehrte ihn und sprach: „Beendet sind, Ehrwürdiger, die Arbeiten an der Höhle. Fortan möget ihr dort verweilen!“ – „Bruder Tissa, mit viel Mühe hast du dieses Werk vollbracht, einen ganzen Tag verbringe eben du selbst in dieser Höhle.“ – „Sehr wohl, Ehrwürdiger“, sprach Tissa, spülte sich die Füße und setzte sich in der Höhle im Lotussitze nieder während er über sein vollendetes Werk reflektierte. Und als er daran dachte wie lieblich er für seines Meisters Wohlergehen Vorsorge getragen hatte, stieg in ihm Entzücken auf. Daraufhin entfaltete er Einsicht und erreichte die höchste Frucht Nirvana, die Heiligkeit.