
13. Der Skorpion
In Garavala-Angana, so erzählt man sich, trafen sich dreißig Mönche regelmäßig halbmonatlich am Feiertage und sprachen über das Glück der vier Bedarfsgegenstände und über die große Lehrrede von der Freude am Meditieren und den vier edlen Bräuchen.
Ein Mönchsälterer, der ein Almosengänger war, kam eines Abends zu spät und setzte sich deshalb versteckt am Rande der Versammlung nieder, um nicht zu stören.
Dort aber stach ihn ein Skorpion in den Unterschenkel und als er nachschaute und sah, daß ihn ein Skorpion gestochen hatte, dachte er: „Heute werde ich beim Vortrag der Lehre kein Störenfried sein! Also nahm er den Skorpion, steckte ihn in seinen Schalen-Träger, verschloß diesen, und stellte ihn zur Seite ab. Bis zum Sonnenaufgang saß er, der Lehre lauschend und erduldete das Gift des Skopions.
Im Morgengrauen erreicht er die drei Früchte Nirvanas. Genau mit dem Ende des Lehrvortrages des die Lehre Buddhas predigenden Mönchsälteren sank auch das Gift aus seiner Wunde. Da sagte der Mönch zu seinen Mitmönchen: „Brüder, ich habe einen Dieb gefaßt“.
Er öffnete seinen Träger und ließ den Skorpion frei. Die anwesenden Bettelmönche fragten besorgt: „Wann seid ihr, Ehrwürdiger gestochen worden?“ – „Sehr früh am Abend, Brüder“ – „Warum habt ihr denn, Ehrwürdiger, solch hartes Werk gewirkt und nicht eher Bescheid gegeben?“ – „Wenn ich gesagt hätte: „Ich bin von einem Skorpion gebissen worden, dann hätte ich niemals solch einen Vorteil erlangt.“