Manorathapurani i. 2. 16

 

 

7.     Mönch Fetzenrobe giert nach Kleidung

 

Einst, so erzählt man sich, zog der Mönchsältere ‚Fetzenrobe’ aus Pacinakhandaraji zum Pagodenberg um dort die große Pagode zu verehren.

Als er die Pagode rechts umwandelt und verehrt hatte, dachte er bei sich: „Meine Robe ist jetzt schon ziemlich alt. An einem bevölkerten Orte, werde ich schon eine neue erhalten.“ So suchte er die Abtei des nahegelegenen Dorfes auf und verehrte den dort ansässigen Abt ‚Sangha’. Er erkundigte sich nach dem Versammlungsplatz des Dorfes und kam am darauffolgenden Tage mit seiner alten Robe wieder. Da fragte ihn Mönch Sangha: „Wohin gehst du, Bruder?“ – „Ich will ins Dorf gehen, Ehrwürdiger!“ – „Ich ebenfalls, Bruder“ – „Wohl, Ehrwürdiger.“ Und beide brachen gemeinsam auf. Aber bereits am Tor der Bodhibaum Umzäunung kam Mönch Fetzenrobe dieser Gedanke: „An einem Versammlungsplatz der verdienstvollen Laienjünger werde ich sicher ein liebliches neues Gewand geschenkt bekommen.“ Da überlegte er: „Unrein wahrlich ist ein solcher Gedanke der Habgier“ und er kehrte auf der Stelle wieder um.

Am zweiten Tage kam er bis zum Pagodenvorplatz, am dritten Tage kam er bis zum oberen Tor der Klosterpagode nur um wieder auf der Stelle umzukehren, weil ihn derselbe unreine Gedanke erneut überkam. Am vierten Tage endlich folgte er dem Mönchsälteren die gesamte Strecke nach. Da wußte der Mönchsältere Sangha: „Seine Gedanken werden unrein gewesen sein“. Er nahm seine Robe und ging zusammen mit Mönch Fetzenrobe zum Dorf.

In jener Nacht aber hatte jemand, der an Verdauungsstörungen litt, sein eigenes Gewand mit Kot besudelt und es daraufhin auf den nächstbesten Misthaufen geworfen. Als Mönch Fetzenrobe nun das blaubeschmierte und gänzlich beschmutzte Gewand sah, erhob er beide Hände und faltete in ehrfürchtiger Geste vor der Stirn.

Fragte ihn der Mönchsältere Sangha: „Was nun, Bruder? Verehrst du einen Misthaufen mit gefalteten Händen?“ – „Nicht, Ehrwürdiger, verehre ich mit gefalteten Händen einen Misthaufen. Ich verehre meinen Vater, den Zehnmächtigen (Buddha). Schwer ist es eben eine Fetzenrobe vom Friedhof zu erlangen, wo man mit umwickelter Hand die Fetzen nehmen und vorsichtig von den Tierchen reinigen muß.“ – „Rein ist dieser Gedanke von Mönch Fetzenrobe“, dachte der Sangha und Mönch Fetzenrobe entfaltete, noch an jenem Orte stehend, Einsicht,  und nachdem er drei der Früchte Nirvanas erlangt hatte, nahm er das Kleidungsstück, verfertigte es zu einer Robe, zog es an, und ging zurück nach Pacinakhandaraji, wo er die höchste Frucht der Heiligkeit verwirklichte.