Manorathapurani iI. 5. 42

 

 

12.    Das Ende einer wundersamen Reise

 

Zu einer anderen Zeit aber, als der Ehrwürdige Kuttatissa vor dem endgültigen Verlöschen ins Nibbana war, sprach er zur versammelten Mönchsgemeinde: „Stellt in mein Sterbehüttlein(1) noch ein zweites Bettlein.“ Und der Ordensältere ging mit dem Entschluß: „Möge dieses Sterbehüttlein nicht eher wieder den Boden berühren, als bis der König es verehren konnte“, ins völlige Nirvana ein. Da begann das Sterbehüttlein die fünfhundert Meilen weite Strecke in der Luft zurückzulegen. Und alle auf dem Wege befindlichen Bäume, die Fähnchen tragen konnten, trugen zauberhafte weiße Fähnchen.

Und man schickte dem König eine Nachricht: „Der Ordensältere ist verloschen, sein Sterbehüttlein bewegt sich durch magische Macht zu euch.“ Der König hielt das für einen Scherz und schenkte der Ankündigung keine Beachtung.

Nachdem das Hüttlein seinen Weg zurückgelegt hatte, die uralte Thuparama Pagode rechtsumwandelt und sich auf den Silacetiya Platz zubewegt hatte, blieb sie dort aufrecht in der Luft stehen und ließ tausend „Sehr gut, Sehr gut!“ - Klänge erschallen.

In diesem Moment hörte der Mönchsältere Mahavyaggha, der gerade auf der Eisenterasse saß und inmitten der versammelten Mönchsgemeinde einen Akt des Ordensrechtes vollzog, das Geräusch. Auf die Frage nach seiner Herkunft erklärten ihm die Mönche: „O Ehrwürdiger Herr, Kuttatissa aus Mangana, der Mönchsältere ist verloschen und sein Sterbehüttlein hat fünfhundert Meilen in der Luft schwebend zurückgelegt, dieses Hüttchen eben läßt diese himmlischen Rufe erschallen.“ – „Brüder, Verdienstvolle werden uns Achtung erweisen“, sprach Mahavyaggha, entschuldigte sich bei seinen Schülern, wandelte durch die Luft und betrat das Sterbehüttlein. Als er auf dem zweiten Bettlein Platz genommen hatte, verschied auch er ins endgültige Nirvana.

Der König aber nahm Blumenduftpulver, verließ seinen Palast und sah das schwebende Häuschen. Darauf verehrte er es und im selben Augenblick stieg es herab und setzte fest auf der Erde auf. Und der König, nachdem er den Leichnamspflichten mit größter Achtung und Ehrerbietung nachgekommen war und Reliquien entnommen hatte, ließ eine Pagode errichten.

 

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1.) "Sterbehüttlein" - Ehrenwerte Persönlichkeiten wurden unter großem Aufwand nach ihrem Tode verbrannt. An Stelle von Holzscheiten wurden dazu zuweilen ganze "Häuslein" angefertigt.