
4. Von der edelsten aller Danksagungen
Einst weilte der Ehrwürdige Maliyadeva zu Kallagamaka im Kloster „Kreissiedelei“. Seit drei Regenzeiten, so erzählt man sich, war der Ehrwürdige bereits Mönch, erhielt seine Unterweisungen und pflegte auch das Werk meditativer Einsicht.
Eines Tages also, als der Mönchsältere im Dorfe Kallagamaka um Almosen ging, reichte ihm eine ältere Laienjüngerin etwas Reisbrei. Nach dieser Almosenspende war sie so von ihm eingenommen, dass sie ihn mit der Liebe einer Mutter ins innere des Hauses bat und mit ausgezeichneter Speise versorgte.
Als er sein Mahl beendet hatte, fragte Sie: „Mein Junge, weilst du in der Stadt Kataragama?“ – „Ich studiere die Schriften in der Abtei Mandalaramka, Laienjüngerin.“ – „Nun denn, Junge, solang als dein Studium der Schriften im Kloster andauert, solange magst du bei mir regelmäßig dein Almosen empfangen.“ Er stimmte dem zu und nahm täglich sein Almosen bei ihr zu sich.
Nach dem Essen sprach er in seiner täglichen Danksagung jedoch nie mehr als diese zwei Sätze: „Mögest du glücklich sein, frei von allem Leid“, bevor er aufbrach und zum Kloster zurückkehrte.
Am Ende der Regenzeit verwirklichte er die Heiligkeit zusammen mit den vier analytischen Wissen. Am Vollmondtag der großen Beichtfeier bat ihn der Ordensälteste der ansässigen Mönchsgemeinde: „Bruder Maliyadeva, heute schenke der großen Versammlung das Geschenk der Lehre!“
Maliyadeva nahm schweigend die Einladung an. Inzwischen verbreiteten die jungen Novizen die Nachricht im Dorf; auch jener alten Laienjüngerin riefen sie zu: „Heute wird dein Sohn einen Lehrvortrag halten, mögest du kommen und der Lehre lauschen!“ – „Aber wie soll mein Sohn denn einen Lehrvortrag halten, wenn er selbst mir nur immer diese zwei Sätze: ‚Mögest du glücklich sein, frei von allem Leid“ vortragen kann. Treibt also kein Spiel mit mir.“ – „Fälle nicht vorschnell dein Urteil über Wissende und Unwissende, Laienjüngerin“, antworteten die Novizen. „Kommt zum Kloster und hört die Lehre.“ Darauf fertigte sie eine Duftgirlande, brachte sie im Klosterschrein dar und setzte sich, der Lehre lauschend, am Rande der Menschenmenge nieder.
Nachdem
zwei Redner das Maß ihres Wissens vorgetragen hatten, nahm der
Mönchsältere Maliyadeva auf dem Lehrsitze Platz, ergriff den Rednerfächer,
sprach Einleitendes und gedachte der großen Laienjüngerin, der er während der
drei Monate Regenzeit immer nur mit den Worten ‚Mögest du glücklich sein,
frei von allem Leid’ gedankt hatte. „Heute werde ich ihr die ganze Nacht
lang die Lehre aus allen drei Körben zusammenstellen in Bezug auf den Sinn
jener zwei Sätze. So begann er seinen Lehrvortrag, der die ganze Nacht währte.
Als am Morgen die Sonne aufging und der Vortrag sich dem Ende zuneigte, hatte
die große Laienjüngerin bereits Nirvana verwirklicht und war in der Frucht des
Stromeintritts wohl gefestigt.![]()